Warum ist Ihre Schätzung falsch gewesen?

Sie hatten doch gesagt, Sie brauchen für dieses Feature zum Programmieren zwei Wochen. Warum sind es jetzt drei Wochen geworden? Ein Maurer kann doch auch genau sagen, wie lang er für eine Mauer braucht!

Ja, das kann er wohl. Meistens. Aber mal angenommen, die Mauer, die zu bauen ist steht nicht im Ort wo der Maurer wohnt, sondern in Sibirien. Und der Untergrund ist noch nicht klar, ist es Moor, Steppe, flach, hügelig, trocken, sandig. Ausserdem ist noch nicht ganz klar, zu welchem Haus die Mauer am Ende gehören soll. Man weiss auch noch nicht, ob auf die Mauer noch etwas obendrauf gebaut werden soll, oder nicht. Und welche Ziegelsteine verwendet werden sollen, und ob Mörtel vorhanden ist, oder man den erst noch machen muss. Oder ob man die Ziegelsteine erst noch selber backen muss. Der Keller soll dann darunter erst hinterher gebaut werden. Dann ist noch unklar, ob vielleicht nach Fertigstellen der ersten paar Meter ein zweiter Maurer dazukommt, den man zwar nicht bestellt hat, der aber ebenfalls den Auftrag hat, diese Mauer zu bauen. Man muss sich also mit dem abstimmen. Dann kommt kurz vor Fertigstellung der Architekt vorbei und sagt “sorry, ich hatte das nicht ausreichend dokumentiert, die Mauer soll auch noch da hinten um die Ecke rum gehen”. Dann stellt sich heraus, dass die Hälfte der Ziegel fehlerhaft ist, und ersetzt werden muss, bevor weiter gemauert wird, und die Mauer zusammenbricht.

So, oder so ungefähr läuft das eben nicht beim Mauern, sondern in der Softwareentwicklung.

Ich mache zu viel. Oder möchte zu viel. Es bleibt wieder zu viel liegen. Bin jeden Tag müde, trinke zu viel Kaffee. Komme trotzdem noch pünktlich aus dem Bett, aber die Motivation ist tagsüber wieder unterirdisch. Hätte so viel schöne Sachen zu hause, die man machen könnte. Und dann doch kaum gemacht werden. Die Wochen rasen an einem vorbei. Silvester ist erst zwei Wochen her? Krass.

Ferien planen. Das muss jetzt dann mal sein.

Walkaway

Lese gerade Cory Doctorows “Walkaway” allerdings auf Englisch ; finde das bei Doctorow allerdings mittlerweile recht anstrengend. Zwar ist das authentisch, dass in einer distopischen Zukunft sich auch die Sprache gewandelt und ihren eigenen Slang hat, jedoch habe ich regelmässig mühe, wenn ich Wörter nicht nachschlagen kann, die halt aus dem (virtuellen) Zeitgeist enstanden sind, und sich für mich vom Sinn her nicht erschliessen. Vielleicht bin ich mittlerweile aber auch zu weit weg vom Englisch? Ich scheue mich dann ja immer, die deutsche Version zu lesen – meistens sind gerade diese Sachen dann recht schlecht übersetzt.

Wie dem auch sei, trotzdem eine spannende Geschichte, macht Spass, zu lesen – auch wenn es nicht an z.B. “Homeland” heranreicht.

Wie immer kann man seine ebooks gratis laden ; falls ihr aber möchtet, dass Cory weiterhin Bücher schreiben kann und nicht bei McDonalds essen ausgibt, dann kauft es doch einfach regulär.

Ist Home-Office wirklich motivierender?

Ich finde den Artikel leider nicht mehr (auf die Schnelle 😉), aber letztens habe ich irgendwo gelesen, dass Home-Office Arbeit nicht (mehr) motivierend ist, als Büroarbeit.

Da ich selber 1-2 Tage die Woche von zu Hause arbeite, habe ich dazu auch eine Meinung: Ein klares “das kommt darauf an”.

Ich glaube nicht, dass man hier auf jede Person und auf jede Tätigkeit verallgemeinern kann. Wenn ich als Sales-Mitarbeiter sowieso den ganzen Tag am Telefon bin, ist das relativ wurscht, ob ich von zu Hause, im Büro oder auf dem Dach des Prime-Towers telefoniere (gut, auf dem Dach ist’s vielleicht zu windig…). Habe ich viel mit dem Produktmanagement zu besprechen hingegen ist das viel leichter im Büro wenn alle präsent sind. Wenn ich als Softwareentwickler an einem Task arbeite, der ohne nötige Rückfragen mehrere Tage dauert, dann bin ich viel lieber ungestört zu Hause, statt die “Mensch-Geräusche” der Kollegen im Grossraumbüro ausblenden zu müssen. Mich motiviert das dann mehr. Wenn ich dann aber andere Tasks habe, bei denen ich oft Feedback von anderen benötige, ist das schwieriger, und dadurch auch oft frustrierender (z.B. “Kollege ignoriert Slack und Telefon”).

Grundsätzlich finde ich aber auch, dass es selbst bei den genannten Tasks ohne Rückfragen immer mal wieder nötig ist, menschlichen, persönlichen, direkten Kontakt zu pflegen. Das muss m.E. aber nicht zwingend der Arbeitskollege aus dem Büro sein, sondern kann genauso gut mit der Familie daheim funktionieren.

Unterm Strich finde ich, dass ich für das was ich arbeite daheim wesentlich produktiver bin, als im Büro – und das ist für mich im Beruf eigentlich die Hauptmotivation.